Montag, 21. April 2008

Zampano

Die Leute schauen aus als hätten sie ein Schamhaar im Gaumen.
Woher es kommt ist schwer zu sagen.

Die Sandler hinter der Markthalle kochen sich eine Suppe aus Bier und alten Pornoheften.
Sie schauen in den Inn ob etwas Brauchbares vorbeischwimmt.

Ich lehne mich in den hölzernen Schalensitz und trommle mit der Zunge an den Innenseiten meiner Wangen hin und her.
Ein paar Kinder vor mir tragen Schultaschen, so groß wie Bierkisten.
Ihre Gesichter sind kaasweiß, aber sie haben den Ausdruck von Partisanenkämpfern in den Augen.

Die Strassenbahn zieht ihre Runden wie ein Gallerenschiff, nur dass wir nicht rudern.
Man zieht uns über abgewetzte Schienen.

Eine alte Frau lächelt in einer Tour und man kann nicht sagen, ob sie in einem der Seligkeit verwandten Zustand weilt, oder einfach nur terisch ist.

Schräg hinter mir sitzt eine Blonde in einem rosaroten Strickpullover.
Ich lächle sie an.
Sie schaut gelangweilt beim Fenster hinaus.
Ich lächle weiter mit einem Geschmack von Ingwer im Mund.

Überall hängen Wahlplakate von gerissenen Falotten.
Sie zwingen die Graphiker die ganze Nacht aufzubleiben, um das Unsympatische aus den Gesichtern zu retouchieren.
Nicht immer gelingt es.
Neben mir liegt eine liegengelassene Tageszeitung.
Ich lese, dass es italienischen Wissenschaftlern gelungen ist, einem Dackel menschliche Stimmbänder zu implantieren.
Die ersten Worte eines nichtmenschlichen Lebewesens vor versammelter Presse waren:
"Ihr verdammten Arschlöcher."

Ich lächle die Blonde noch einmal an und summe dabei die Melodie: "I´m just a gigolo" so leise, dass nur ich sie hören kann.
Sie betrachtet ihre Fingernägel.
Und das mir.
Dem Meister des Tantra.

Die ersten Regentropfen zerplatzen auf der staubigen, gelben Fensterscheibe.
Eines der Schulkinder ritzt mit einem Hunderternagel "Bums mal wieder" in den Lack.
Ich lächle.
Diesmal mit dem Geschmack von Orangen im Mund.

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